Die besten zwei Wochen unseres Lebens begannen am 10. Oktober 2013 um sechs Uhr abends. In der Schule stiegen wir aufgeregt und voller Vorfreude in den Bus ein und konnten es noch gar nicht fassen, dass die Reise – unser Abenteuer – nun endlich wahr wurde. Am Flughafen angekommen wurde die Aufregung dann noch größer. Doch als die Koffer abgegeben und wir im Duty-free Bereich waren, verging die Zeit wie im Flug. Im Flugzeug hat die eine Hälfte geschlafen und die andere sich mit dem Fernseher beschäftigt, mit dem man super Spiele spielen konnte oder ganz normal einen von mehreren Filmen anschauen. Mit Verspätung, deren Ursache uns unbekannt war, landeten wir dann endlich in Delhi und konnten es kaum fassen, endlich da zu sein. Nach der Herausforderung, Koffer zu holen sowie durch den Zoll zu gelangen und nach einer halben Stunde Wartezeit auf den Bus ging es endlich zur Schule. Dort erwartete uns eine wunderschöne Willkommensfeier, bei der wir das erste Mal mit Unmengen an Essen überhäuft wurden.

Am ersten Abend in der neuen Gastfamilie fühlten wir uns noch etwas fremd und allein. Man war auf sich gestellt, da man die Familie ja nur vom Internet und Facebook kannte und die Sprache doch noch nicht vetraut war.

Der erste Tag war wunderschön und sehr lustig und wir durften erleben, dass in Indien Shoppen nicht wie unser Shoppen ist! Essen, essen, essen – von McDonalds zu KFC zu Starbucks – trifft es besser. Später gingen wir zu unserer Überraschung zum Bowlen. Den restlichen Abend verbrachten wir in den Gastfamilien. Am Sonntag unternahm jeder etwas mit seiner Familie und sah somit mehr von dem Land und bekam einen Eindruck von der interessanten Kultur. Montag war gleich ein Feiertag, an dem wir wieder Zeit hatten, etwas mit unserer Gastfamilie zu unternehmen.

Am nächsten Morgen stellten wir uns zum ersten Mal der Herausforderung einer indischen Dusche – wie gesagt, Abenteuer Indien! Wir mussten feststellen, dass das Wasser immer eiskalt ist, auch wenn man das warme Wasser gewählt hat. Ungewohnt war auch für uns, dass es keine Duschkabinen oder Duschvorhänge gab sondern man mitten im Raum duscht. Der erste normale Schultag begann mit gewohnt frühem Aufstehen, einer außer-gewöhnlichen Busfahrt durch die Wirren des indischen Verkehrs und einer militärisch anmutenden Begrüßung. Sehr überrascht waren wir, als wir eine spontane Rede vor der ganzen Schule halten mussten. Dann besichtigten wir die Schule und machten bei Mathe mit. Den restlichen Tag verbrachte jeder mit seinem indischen Partner. Am Mittwoch war wieder einmal Feiertag und wir schlossen uns zu Gruppen zusammen und besuchten verschiedene Märkte.

Dort sahen wir zum ersten Mal die große Armut und waren sehr geschockt, weil wir uns vorher dieses Leben nicht vorstellen konnten – zum Beispiel auf Kreisverkehren wohnende Menschen sowie überall Bettler in Lumpen und verkrüppelte Menschen, die am Straßenrand sitzen.

Auf der anderen Seite fühlten wir uns wie Stars, weil die meisten Inder noch nie Menschen mit weißer Haut gesehen haben. Wir wurden angestarrt, sehr oft fotografiert und auch angefasst – DSDS von der Seite der Stars betrachtet. Wer wollte nicht schon mal ein Superstar sein? Es ging einem aber auch ganz schön auf die Nerven.

Am Donnerstag machten wir mit den Lehrern und unseren Partnern eine Delhi Tour. Da Inder sehr bequeme Menschen sind, stiegen wir selten aus dem Bus aus sondern betrachteten alles durch das Fenster. Inder legen auch keinen Wert darauf, wie ein Auto oder Bus aussieht. Hauptsache es fährt. Wir hatten die Ehre, die Delhi Tour mit einem nagelneuen Bus der Schule unternehmen zu dürfen. Als wir durch eine Schranke fahren mussten, die nicht für die Höhe des Buses gedacht war, kratzte es wahnsinnig laut auf dem Dach – und keinen kümmerte es. Auch schien es so, dass Verkehrsregeln eher eine Empfehlung als ein Gesetz sind. Zu unserer Überraschung stiegen wir zum Schluss doch aus und besichtigten das „Red Fort“. Als wir ein Gruppenfoto machen wollten, versammelte sich eine riesen Menschenmenge gegenüber von uns und fotografierte uns. Nach einer langen Heimfahrt, auf der wir alle stundenlang viel zu laut und schief gesungen haben (was Frau Nuck und Herrn König nicht so gefiel!), erreichten wir unser Zuhause.

Nach nun schon einer Woche hatte sich der Großteil der Gruppe gut in ihren Gastfamilien eingelebt. Es herrschte auch langsam große Trauer darüber, dass die Hälfte unseres Austausches schon vorbei war.

Am Samstag besuchten wir das Taj Mahal, eine Sehenswürdigkeit, die Indien ausmacht. Alle waren von dem wunderschönen Grabmal tief beeindruckt, das von einem indischen Großmogul aus großer Trauer über den Tod der größten Liebe seines Lebens errichtet worden war.

Auch nahmen wir an einem Fußballturnier gegen das Schulteam der Delhi Public School teil, was bei den Temperaturen von meist über 30° Grad sehr anstrengend war. Wir erlebten überhaupt sehr viel vom Schulleben unserer indischen Freunde und konnten es gut mit unserem Leben zu Hause vergleichen. Zum Ende unseres Aufenthaltes besuchte uns Herr Huber, der auch einem Fest beiwohnte, welches die Schule veranstaltete, um uns die verschiedenen indischen Staaten näher zu bringen.

Am letzten Tag unseres Besuches organisierten die indischen Schüler für uns eine sehr emotionale Abschiedsfeier, für die wir einen indischen Tanz einstudierten und mit entsprechender indischen Kleidung auftraten. Im Gegenzug präsentierten uns unsere Austauschpartner mit Dirndln, Tanz und Gesang etwas aus unserer bayrischen Heimat. Donnerstag war der Tag des Abschieds, was uns alle sehr bedrückte, da nun zwei wirklich schöne Wochen zu Ende waren und wir unsere neu gewonnenen Freunde erst im Mai in Deutschland wieder treffen würden.

Am Flughafen in München – nach acht Stunden Flug im neuen A 380 – war trotzdem die Freude groß, als wir endlich unsere Familien wiedersehen konnten.

Indien – ein riesengroßes Abenteuer!

ein gemeinsamer Artikel der Austauschschüler